Crauser's Golden Retrieverzucht

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Anekdoten

So viele Jahre mit den Golden und der Hundezucht, wenn es da nichts zu erzählen gibt....

Hier möchte ich schönes, erlebtes, und vieles mehr meiner Welpenkäufer an andere weiter geben.

Nachstehend ein Brief einer lieben Familie, die auf sehr tragische Weise Ihren (unseren) Golden verloren haben:

 

 

 
 

Mein lieber kleiner Buster

Heute vor drei Monaten ist das Unglück geschehen und es fällt so schwer zu begreifen, daß Du ab diesem Tag nie mehr bei uns sein solltest. Die Traurigkeit und der Schmerz um Deinen Verlust sind so groß, dass ich beschlossen habe, unser

viel zu kurzes, aber wunderschönes Leben mit Dir zu beschreiben.

Wir waren ganz schön aufgeregt am Abend im Hotel in Itzehoe. Am nächsten Morgen sollten wir Dich abholen. Zu Hause war alles vorbereitet und wir überlegten, wie es wohl sein wird mit einem kleinen Hund, der wahrscheinlich unser Leben ganz schön umkrempeln wird, Unsere Herzen hattest Du ja schon erobert, als wir Dich drei Wochen vorher das erste Mal sahen. Dann lagst Du bei Tim hinten im Auto, er hat Dich beschäftigt und Du warst so geduldig und ganz lieb. Unterwegs haben wir ab und zu angehalten, zum strullen, was Du auch sofort und prompt erledigt hast. Zu Hause angekommen wurdest Du erstmal die vielen Stufen hochgetragen und in der Wohnung abgesetzt. Sofort bist Du schnurstracks durch alle Zimmer gelaufen, hast alles beschnuffelt und Dir dann den großen blauen Teppich als Lieblingsplatz ausgesucht. Nachdem alles ausgepackt war, habe ich Dir erst mal Futter gemacht. Du hattest den ganzen Tag nichts bekommen, damit Dir im Auto nicht schlecht wird. Im Lauf der Zeit wußte ich, daß ein leerer Magen ein Zustand ist, den Du überhaupt nicht leiden konntest. Nun, es hieß, wenn Welpen in eine neue Umgebung kommen, wollen sie erst mal nichts fressen. Aber nicht Du - Dein Napf war ratz-fatz leergefressen. Dann lagst Du da, so niedlich: rund, mit seidenweichem Fell, schwarzen Knopfaugen, nacktem Bauch und herrlich dicken Pfötchen.

Die erste Nacht. Irgendjemand hatte uns geraten, nachts ein Gitter um Dein Körbchen zu stellen. Du würdest Dich dann melden, wenn Du mal mußt. Du hast Dich auch sehr bald gemeldet aber nicht gemußt und das ging noch ein paarmal so. Der See war dann morgens vor der Tür zum Bad und Schlafzimmer und ich bin auch prompt reingetreten. Die nächste Nacht dasselbe und die Nacht darauf haben wir das Gitter wegelassen und es war himmlische Ruhe. Ich bin ganz früh aufgestanden um mit Dir runter zu gehen. Natürlich konntest Du nicht die ganze Nacht warten und ich bin immer wieder in Deinen See getreten. Dann habe ich mir gedacht,jetzt lege ich vor dem Schlafengehen Zeitungen in den Flur. Du hast hochinterressiert zugesehen und was ein Wunder, morgens war der See auf der Zeitung. Manchmal hast Du in der Eile nicht ganz getroffen, aber ich war begeistert. Nur, wie sollte das weitergehen? Tagsüber hast Du ja schon gut begriffen, wie das funktioniert. Wir waren ja auch mindestens sieben Mal täglich zusammen unten. Dann habe ich bemerkt, daß immer, wenn ich die innere Tür aufmache, es auf der Zeitung raschelte. Du hast wohl gedacht, es muß erledigt sein, bevor ich komme. So war's aber auch nicht gemeint. Also habe ich die Zeitung am nächsten Abend nicht hingelegt und siehe da, alles war trocken. Dafür mußten wir aber morgens schnell flitzen. Das heißt ich, Du hingst gemütlich auf meinem Arm, weil ja Deine Knochen noch geschont werden sollten. Nun, dieses wichtige Kapitel in Deinem jungen Leben haben wir bravoureus gemeistert.

Aber als kleiner Hund muß man doch schon eine Menge lernen. Du warst quirlig und furchtbar neugierig und hattest so Deine Leidenschaften. Als geborener ap- portierhund hat es Dir der Kartoffelkorb, der auch noch auf dem Boden steht, angetan. Ein krätiges „Nein” von mir hatte ein verblüffende Wirkung, Du hast sofort die Kartoffel fallen lassen und bist nie wieder an den Korb gegangen. Die offenen Regale mußten auch ständig untersucht werden. Da hat sich aber ein »nein« erübrigt, Plötzlich ein lauter Qietscher, irgenwas war Dir auf Den Kopf gefallen, das Thema Regale ausräumen war ein für alle Mal erledigt und alles konnte da bleiben, wo es hingehört. Intensiv Zeitung lesen war auch besonders toll. Daraus hat sich, als Du schon größer warst, ein feines Spiel entwickelt. Wenn ich einen Auftrag fertig hatte, mußte erst mal mein Tisch aufgeräumt werden. Beim ersten Geräusch von reißendem Papier warst Du wie ein Blitz neben mir. So haben wir die Arbeit zusammen gemacht. Du hattest ein Ende vom Papier in der Schnauze und ich das andere in der Hand. So haben wir alle Papiere zusammen zerrissen und es hat ganz schön gedauert, bis mein Tisch aufgeräumt war. Dann hast Du begriffen, daß die Fetzen in den Papierkorb gehören und das hast Du prima gekonnt. Wir hatten so viel Spaß. Später hast Du den Papierkorb dann wieder ausgeräumt. Ja und Deine aller-größte Leidenschaft waren Schuhe. Da war absolut nichts dagegen zu machen. Immer, wenn Du nirgends zu sehen warst und ab und zu ein ganz leises Knacken und vielleicht noch ein wohliges Stöhnen zu hören war, hieß das Alarmstufe 1! „Mist! Ich habe meine Schuhe nicht auf den Schrank gestellt!” Einmal war ein Kollege da, er wollte mir am Computer was helfen und er wollte auch seine Schuhe ausziehen. Wir haben sehr konzentriert gearbeitet und ich war ganz beruhigt, Buster ist ja ganz lieb und stört nicht. Was? Mir wurde ganz heiß, da war doch so ein merkwürdiges Geräusch. Ja, und da hattest Du schon die Innensohle rausgefressen. Aus dem Schuh meines Gastes. Tief traurig war Dein Blick, weil ich Dir dieses Glück mißgönnen wollte. Dann hattest Du noch was Feines. Tim hatte Dir zum Empfang aus seinen Kinderbeständen einen großen dicken Plüschhasen geschenkt. Du konntest ihn kaum schleppen, aber er war Dein ganzes Glück und sollte immer Dein schönstes Spielzeug bleiben.

Unsere Spaziergänge wurden allmählich länger. Was gab es nicht alles zu sehen und zu beschnuffeln! Auch Fußgänger. Die Meisten wollten gleich mit Dir knuddeln und Du hast das wohl so verstanden, daß man auf jeden Menschen freudig grüßend zulaufen muß. Alle mochten das aber nicht und schon wieder mußtest Du was lernen. Daß man nämlich nicht gleich auf Jeden zurennt und ihn begrüßt. Das hast Du gar nicht gerne begriffen, Du hast Dich dann auf Bekannte und Nachbarn be- schränkt und das so heftig, daß man Dich kaum halten konnte.

Ja, und dann kam Dein erstes Weihnachten. Du warst inzwischen 4 Monate alt und schon ein ganz strammes Kerlchen. Zum Verreisen warst Du uns noch ein bißchen zu klein und deshalb sollten Oma Ev und Lucia die Feiertage hier bei uns ver-bringen. Du hast sie, wie es nun mal Deine Art war, freudig und höchst stürmisch begrüßt. Es war ein ziemliches Durcheinander. Der Flur voller Leute, Taschen und dazwischen Du in unbändiger Freude. Und was war? Wieder konntest Du zwei Herzen Dein Eigen nennen. Vor Weihnachten hatten wir lange beraten, wie das nun mit einem Baum gehen sollte. Einen auf der Erde stehend mit echten Kerzen schien uns doch ein bißchen riskant. So haben wir uns für einen kleinen Baum mit elek-trischen Kerzen, den man auf einen Tisch stellen konnte, entschieden. Du hast die Vorbereitungen interressiert beobachtet, aber so spannend war es wohl nicht. Dann war Bescherung. Du solltest natürlich auch was bekommen. Ich habe zum ersten Mal einen Knochen aus Büffelhaut gekauft und der wurde natürlich - wohl wissend von Deiner Leidenschaft - in Papier gepackt. Du hast das Geschenk ge-schnappt und bist sofort zum blauen Teppich gerannt. Das war eine Aufregung! Erst das Papier ab und dann hast Du ganz fasziniert den Knochen angestarrt, bist um ihn rumgehüpft, hast ihn mit den Pfoten traktiert und dann angefangen zu nagen. Es war einfach umwerfend. Die ganzen Feiertage warst Du beschäftigt und hast schwer gearbeitet. An Weihnachten habe ich Dich auch zum letzten Mal die Treppe rauf und runtergetragen. Du warst jetzt einfach zu schwer. Und schon wieder gabs was zu lernen - daß man nämlich nicht wie eine Kanonenkugel die Treppe herunterschießt, sondern schön manierlich geht oder anfangs zumindest auf jedem Treppenabsatz wartet.

Einmal, Du warst noch ziemlich klein, warst Du sehr krank. Samstag früh morgens kam ich in die Küche, kein Buster zu sehen, dafür merkwürdige Flecken auf dem Boden in der Küche, im Flur und ein großer Zettel auf dem Tresen von Tim.

„Buster ist krank, er hat gekotzt, ich habe alles geputzt; drei Uhr morgens”. Ich fand Dich vorne am Eingang. Es ging Dir richtig schlecht. Wir fuhren gleich zum Tierarzt und Du warst zwei Tage lang schlimm krank. Wir haben Dich keine Minute aus den Augen gelassen. Du hattest wahrscheinlich einen Zigarrenstummel gefressen. Glücklicherweise warst Du doch ein gesundes, kräftiges Kerlchen, alles ging gut und Du warst bald wieder gesund und munter.

Was Du noch so besonders gern hattest, mit mir Fenster gucken. Immer, wenn ich am Fenster stand, kamst Du angelaufen, hast mich mit Deinen Pfoten an der Wade gekratzt und wolltest auch. Ich habe Dich dann auf den Arm genommen und wir haben genau alles beobachtet, was sich draußen so abspielte. Langsam wurdest Du für diesen Spaß aber auch zu schwer. Ich stellte dann mein Bein auf einen Stuhl und habe Dich auf mein Knie gesetzt. Lange konnte ich das auch nicht mehr durch-halten und Du warst wirklich traurig, als die Fensterguckerzeit vorbei war.

Für's „Fenstergucken” haben wir trotzdem einen Ersatz gefunden. Da Du schon groß genug warst, um nicht durch die Balkongitter zu fallen, haben wir uns abends auf den runden „Turmbalkon” gesetzt. Ich saß auf der Stufe und Du lagst vor mir, ich mußte Dich krabbeln und wir haben alles beobachtet, was sich so auf der Straße abspielte und wer nach Hause kommt. Hast Du dann den Papa oder Tim gesehen, war aber was los. Sofort mußten wir zur Eingangstür, Du konntest es kaum erwarten, bis ich da war und geöffnet hatte. Dann standest Du ganz aufmerksam auf dem oberen Treppenpodest und hast mit schiefgelegtem Kopf gelauscht. Dein Schwanz-wedeln wurde immer heftiger und dann nichts wie runter, den Ankommenden heftig begrüßend. Das war aber nicht alles. Im Flur hast Du Dich hingeschmissen und man mußte Dich erst mal intensiv verknuddeln. Du hast einem dann Dein Pfötchen über den Arm gelegt, damit das Gekrabbel ja nicht so schnell aufhört. Manchmal warst Du für eine Begrüßung auch einfach zu faul. Wenn Tim Nachts z.B. spät nach Hause kam, hast Du nur mit Deinem Schwanz auf den Boden geklopft, das mußte auch mal reichen. Aber wenn er morgens zur Schule ging, war das ein Abschied, als würde er wochenlang verreisen. Er saß auf dem Sessel und hat versucht, sich die Schuhe zu binden und Du saßt vor ihm, Pfötchen auf seinem Knie und hast ihm unverwandt und tief in die Augen geblickt.

Ja, und dann der Grunewald! Ein wahres Hundeparadies. Alle dürfen frei laufen, rasen, spielen. Und dann erst der Grunewaldsee. Da hast Du Schwimmen gelernt. Es hat ein bißchen gedauert, bis Du Dich ganz reingetraut hattest und plötzlich fingst Du an zu schwimmen und wolltest gar nicht mehr damit aufhören. Am nächsten Morgen dachte ich: Was ist denn bloß mit meinem Hund, der ist ja ganz steif und ganz gegen seine Art schleicht er die Treppe runter und trottelt nur neben mir her und er wollte auch ziemlich schnell wieder nach Hause. Du hattest wohl einen ordentlichen Muskelkater. Im Grunewald wurden wir oft angesprochen. „Was ist das für ein schöner Hund, ist da ein Bernhardiner drin? Nein? Also ein ganz echter Retriever.” Du warst aber auch bildschön und hast mit 8 Monaten ja auch bei der Hundeschau den ersten Preis gewonnen. „This strong little boy, he is the ferst!” Da waren wir ganz schön fertig.

Inzwischen warst Du ein stattlicher Junghund geworden und es entwickelte sich ein richtig geregelter Tagesablauf. Morgens, wenn ich anfing Frühstück zu machen mußtest Du erst mal auf die Terrasse, nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Dann nachsehen, ob die nicht endlich fertg sind und wenn ich mir eine Zigarette an-ündete bist Du an mir hochgesprungen — gehn wir jetzt endlich — . Gleich, mach Platz. Also Platz und leises grummeln. Dann Spaziergang durch die Seitenstrassen von Dahlem. Wieder zu Hause mußte ich auch was arbeiten. Du hast mich zu meinem Tisch begleitet mit einem Ausdruck: jetzt wirds langweilig und hast Dich ge-trollt. Dann plötzlich, ich hatte nichts gehört, es eher gefühlt,sitzt Du neben mir mit einem Spielzeug im Maul. „Buster, ich muß noch arbeiten.” Kurze Zeit später kamst Du mit einem noch schöneren Spielzeug und noch einem schöneren. Alles half nichts. Aber dann kamst Du mit Deinem „Häschen”, dem Riesenhasen, das sah so unglaublich aus, wenn Du ihn in der Schnauze hattest. Da war ich dann gefällt. Also, eine Runde spielen oder üben, was wir in der Hundeschule gelernt haben und zum Abschluß bürsten. Bürsten war ganz toll, allerdings nur im Liegen. So um die Mittagszeit :"Buster, gehen wir spazieren?" Zuerst legtest Du Deinen Kopf schief, dann ein Hopser mit den Vorderpfoten. Entweder gingen wir durch Dahlem oder natürlich in den Grunewald oder auch in den Correnspark. Da war es sehr schön. Man konnte auf der Wiese toben, Ball fangen oder unter riesigen Bäumen im Schatten liegen und Stöckchen nagen. Der Park ist gleich bei Heinrichs Büro und beim Rückweg mußte da unbedingt ein Besuch gemacht werden. Wieder zu Hause mußte ich arbeiten, wir gingen zusammen einkaufen oder zu Briefkasten oder in den Keller, dazwischen immer mal spielen und abends drehten wir noch eine Runde. Schön wars abends im Sommer. Wenn ich fertig war, saßen wir beide auf dem runden Balkon, da war die Sonne dann weg und Dir war es angenehm und ich mußte Dich krabbeln und wir genossen beide den Frieden. Punkt sieben kamst Du ange-laufen, mit vorwurfsvollem Gesicht – wurde da etwa mein Futter vergessen? Ich bin gleich losgeflitzt, vornehm hast Du Dich zurückgehalten, bis Dein Futter fertig war. Außer, es gab Nudeln mit Hähnchen. Da wurde geschubst und ungeniert gesabbert, das war aber auch was Tolles und der Napf sah danach aus wie frisch gespült. Fernsehen hat Dich nicht besonders interessiert aber Punkt halb elf standest Du neben Heinrich. Du wußtest genau, er ist für die letzte Runde zu-ständig. Dann immer das selbe Spiel: „Buster, mußt Du Pipi?”— Ein typischer Buster-Hopser.— Heinrich fragt wieder:"Buster, mußt Du Pipi?" — Der Hopser wird heftiger und von quietschen begleitet.— Wieder: „Buster, muß Du Pipi?” Jetzt reichts, ein empörter Beller, daß man fast vom Stuhl fällt und dann gehts aber endlich los.

Autofahren hat Dir glücklicherweise immer gut gefallen. Du wußtest auch bald ganz genau, wohin wir fahren. Dann war es an der Zeit, Dich in die „Ge-sellschaft” einzuführen. Das fing mit dem „Altensteiner” an, einem Lokal in unserer Strasse. Anfangs warst Du ein bißchen ängstlich, aber bald gefiel es Dir da sehr gut. Vor allem in ihrem Biergarten. Der Boden war nur mit Spänen bedeckt und man konnte wunderbar graben. Einmal, es war ein sehr heißer Sommertag und Sonntag. Wir beide waren alleine und sind ziemlich weit gelaufen, d.h. mehr getrottelt. Du vor allem. Hitze konntest Du absolut nicht vertragen. Wir waren schon ziemlich müde und auf dem Rückweg. Ich drehe mich um, wo ist denn mein Hund! Da höre ich aus einem Garten: „Hast Du aber Durst”. Du warst einfach in einem Garten verschwunden, wo es einen kleinen Brunnen gab. Wir kamen am „Altensteiner” vorbei und ich dachte, jetzt in den Biergarten wäre doch schön und da ich ja nicht alleine war, setzte ich mich an einen Tisch, schön schattig unter einen Baum und Du lagst glücklich und matt auf dem kühlen Boden. Plötzlich, ich konnte gerade meine Kaffeetasse noch fangen, knickte der Tisch ein. Du hattest einen Tischfuß abgegraben. Ich habe dann ziemlich schnell bezahlt.

Verfressen warst Du sehr. Es war zur Mittagszeit, als wir unterwgs waren. Wir kamen an einem Haus vorbei, Garten- und Haustür standen offen. Plötzlich warst Du wie ein Blitz weg, ich hörte nur einen Aufschrei und dann Gelächter und bin Dir entsetzt nachgerannt. Da sitzt Du doch schwanzwedelnd bei wildfremden Leuten in der Küche wo gerade Gulasch gekocht wird. Tim und Katrin wollten Eis essen gehen. Du durftest natürlich mit Vor dem Eisstand gab es Stehtische,Tim hatte die Leine über der Schulter. Plötzlich spürt er einen Ruck, sieht ein Kind mit leerer Eistüte, einen lachenden Eisverkäufer, eine Mutter, die erstaunt am Boden nach der Eiskugel sucht und er sieht einen Hund da sitzen, der sich genüsslich die Schnauze leckt.

Man konnte auch sehr gut mit Dir verreisen. In Hotels ging es prima mit Dir und Du hast Dich überall schnell zurecht gefunden. Tim und ich wollten im März nach Italien fahren. Heinrich konnte sich nicht so lange um Dich kümmern, aber da gab es ja Liz und Hermann am Bodensee. Sie waren gleich bereit, Dich aufzunehmen. Wir wußten nicht, wie das gehen wird, denn es war das erste Mal, daß Du ohne uns warst. Es ging Dir ganz hervorragend. Eine große Wiese vor dem Haus, der See in der Nähe und zwei liebe Leute, die Dich großartig verwöhnt haben. Bei unserer Rückreise freuten wir uns sehr auf Dich, aber als wir dann nach Hause fuhren, hatten wir doch fast ein schlechtes Gewissen, Dich aus diesem Paradies zu entführen. Zu Hause gefiel es Dir dann doch und Du warst sichtlich froh, daß die Meute wieder zusammen war. Beim Morgengang am nächsten Tag wurden dann die Dahlemer Nachrichten ganz besonders ausführlich gelesen.

Die Berliner sind sehr hundefreundlich. Wir hatten Besuch von Felix und Chris-tine und wollten eine Stadtrundfahrt mit dem Schiff machen. Es war relativ kühl und so konnten wir Dich gut mitnehmen. Tim und Katrin waren noch dabei und so waren wir eine ganze ordentliche Gruppe. Du hattest ein paar Tage vorher Durch-fall und eigentlich war alles wieder in Ordnung. Es war eine schöne Fahrt, für uns ein bißchen kalt, für Dich perfekt und beim Rückweg wurdest Du plötzlich unruhig. Wir haben alles versucht, Dich zu beruhigen, aber nachdem ein Beller von Dir kam, was äußerste Dringlichkeit bedeutete, wurde ich doch nervös. Wir gingen zum Kapitän, der gleichzeitig auch der Fremdenführer war und fragten, wann er wieder anhält, weil der Hund... Der Kapitän haute den Rückwärtsgang rein, sagte durchs Mikrofon :- "Der Hund muß mal!", hielt an einer Treppe am Ufer an, schob einen Steg zur Treppe und ließ uns flitzen. Du warst doch nicht ganz heil. Das fand ich vom Käptn eine klasse Reaktion.

Verliebt warst Du auch. Als ganz kleiner Kerl hast Du das erste Mal Nellie gesehen. Nellie ist eine bildschöne, stolze etwas behäbige Berner Sennenhündin. Sie wohnt in unserer Straße in einem sehr schönen Haus mit Garten. Du bliebst wie angewurzelt an ihrer Gartentür stehen und von da an warst Du ihr für immer verfallen. Nie konnten wir an dem Haus vorbei ohne daß Du sehnsüchtig an der Tür gesessen hast und auf Nellie gewartet hast. Manchmal kam Nellie. Gravitätisch schritt sie die Treppe herunter, kam zum Gartentor, hat Dich kurz beschnüffelt und ging dann wieder. Und Du saßt lange wie verzaubert da und es hat gewaltig viel Mühe gekostet, Dich wieder in die Wirklichkeit zu holen.

Zu Deinem Charakter hat auch eine kräftige Portion Dickköpfigkeit gehört und manchmal gab es ganz gehörig Zoff. Ich habe oft gelesen, daß Retriever ganz außer sich geraten, wenn man Krach mit ihnen hat. Du nicht. Ja, aber Dein ausge-sprochen liebenswertes Wesen hat jeden Ärger immer schnell vergessen lassen. Außerdem, wo es darauf ankam, daß Du Dich gut benimmst, hat es ja auch gut geklappt. So konnte man Dich überall mit hinnehmen, man konnte Dich genauso gut alleine zu Hause lassen. Sogar im Verlag warst Du meistens dabei. Und wenn es einmal nicht ging, wurde ich schon an der Pforte gefragt:"Ja und wo ist der Hund?" Allmählich war es schon so; auch wenn man mich nicht kannte, überall hieß es, die Frau mit dem großen Hund.

Ja, und dann kam unsere letzte Reise mit Dir. Wir waren zu Ev's 80. Geburtstag nach Ulm eingeladen. Ich fragte:"Und Buster?" „Der kommt selbstverständlich mit”. Es war ein großes, schönes Fest und Du warst immer dabei und auch da hattest Du im Nu alle Herzen erobert. Es war aber auch für Dich anstrengend. Wir hatten zweimal das Hotel gewechselt, Du hast alles mitgemacht, nur am Morgen nach dem Fest merkte ich, daß Du nun langsam genug hattest und während des Frühstücks auf keinen Fall alleine im Zimmer bleiben wolltest. Als wir zwei Tage später zu Hause in Berlin ankamen, hast Du plötzlich Dein Häschen geschnappt, bist wie ein Blitz ins Haus gerannt, die Treppe hoch und in die Wohnung. Endlich wieder zu Hause. Das hat uns doch sehr gerührt.

So viel gäbe es noch über unser Leben zu erzählen, aber ich wollte ja kein ganzes Buch schreiben.

Über den Unfall, Dein Leiden und Deinen Tod kann ich nicht schreiben. Wir waren alle drei bei Dir, bis zum Schluß. Es war ein wunderschöner Tag nur um uns war es dunkel, unendlich traurig. Tim hat Dir die Augen geschlossen, mich in den Arm genommen und gesagt:"er hat ein schönes Leben bei Dir gehabt". Aber wir hatten ein schönes Leben mit Dir. Jeder von uns hat auf seine Art von Dir „pofitiert”. Man hat nicht einfach eben einen Hund ins Haus genommen. Er wird immer mehr zu einem echten Familienmitglied. Das Leben wird schon ordentlich umgekrempelt aber unserer Familie hast Du nur gut getan. Und schon ganz automatisch bei allen unseren Vorhaben hieß es:"Und Buster?" So viele Situationen erinnern uns an Dich und oft sitzen wir zusammen und erzählen uns, was wir mit Dir erlebt haben. Wir freuen uns dabei und trotzdem, jedem von uns wird das Herz schwer und man hat dann ganz schnell was Wichtiges zu erledigen.

Unser Leben mit Dir war kurz, viel zu kurz, aber es war so schön, wir hatten so viel Spaß zusammen und jedem von uns hast Du auch in traurigen Situationen weitergeholfen.